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Samstag, 12. Januar

Guten Morgen. Der Tag startet wie jeder andere auch. Ich lasse die Hunde raus und mache mir Frühstück. Dann der große Schock. Jackson hat sich den Verband am Schwanz abgezogen und nagt an der Wunde. Dieser Trottel!!

Ich schreie ihn an und er hört auf. Aber die Wunde ist wieder offen und blutet. Also Jackson ganz schnell an die Leine und dann zum Rundhauber von Robby und Stefan. Ich brauche Hilfe um ihn zu verarzten. 

Jackson läuft Amok. Aber so richtig!! So habe ich ihn noch nie gesehen. Er knurrt, flippt und beißt um sich. Er muss höllische Schmerzen haben. Er war die letzten Tage ja schon etwas aggressiv drauf. Aber das schockt mich wirklich. Das ist nicht mein Hund. 

Ich ziehe ihm einen Maulkorb an. Und zusammen mit Stefan können wir ihn fixieren. Die Wunde sieht schlimmer aus als am Anfang. Und ist offen bis auf den Knochen. Ich kriege die Krise. Zum Glück bin ich gerade nicht alleine, sondern habe so liebe Menschen um mich.

Stefan spült die Wunde aus und verarztet sie wieder. Ich erhöhe die Dosis an Schmerzmittel. Zwei Minuten unbeobachtet und der Depp macht alles noch schlimmer. Aber das kann er ja nicht wissen…

Ich bin sehr angespannt heute. Eine Mischung aus den Sorgen um die Wunde und über sein heutiges Verhalten. Pünktlich um 11 Uhr zieht unsere Karawane trotzdem los. Fast hätte ich meine Trittstufe vergessen. Aber Anette weist mich zum Glück darauf hin. Wohl nicht mein Tag heute.

Fotos von rumgurken.jetzt

Die Piste ist mühsam. Eine Mischung aus Steinen und Wellblech. Wir kommen nur schleppend vorwärts. Ich fahre hinter dem Vario von Andre. Er hat eine ähnliche Bodenfreiheit wie ich und so kann ich ganz gut einschätzen, was geht und was nicht. Als Beifahrerin war ich ja schon oft im Gelände unterwegs. Aber selbst zu fahren ist schon etwas Anderes. Zudem hat Kolumbus ja keinen Allrad und gehört gar nichts ins Gelände…

Wir kommen in einer kleinen Oase vorbei. Da steht ein alter Defender. Anscheinend von Terroristen aus Algerien, die vor ein paar Jahrzehnten hier über die Grenze wollten. Und auch einige Marokkaner. Sie staunen über unsere Fahrzeugwahl. Und fragen sicherheitshalber nochmal nach. Kein 4×4?!

Nein, kein 4×4. Einer rät uns besser umzukehren. Der Andere meint wir sollen einfach rechts halten und am Sand vorbei. Aber wir wollen ja in den Sand. Zum Erg Chegaga! Also ignorieren wir die Ratschläge und fahren links in die Richtung der großen Sanddünen.

Nach der ganzen Steinwüste wird es plötzlich grün. Hier wächst Rucola. Mitten in der Wüste. Und einige Kamele grasen hier. Im Hintergrund die Sanddünen. Magisch!! Bei der Fotosession fällt mir auf, wie klein Kolumbus im Gegensatz zu den anderen Fahrzeugen ist. Und wie schick sich die neue Farbe auf Bildern macht.

Fotos von rumgurken.jetzt

Das mit Bildern und Videos ist übrigens so eine Sache. Alleine gar nicht so einfach. Ihr werdet also auf Videos verzichten müssen und euch an den Bildern von meinem Mitreisenden erfreuen. Die sowieso viel besser sind, als ich sie hinkriegen würde. Ein fettes Danke an dieser Stelle!!

Jackson sitzt friedlich auf dem Beifahrersitz. Er hatte aber wohl auch schon bessere Tage. Die Piste wird immer sandiger. Nach den ganzen Steinen ist das erst ganz angenehm. Dann wird es aber ganz schön viel Sand. Andre und Tanja stecken vor mir im Sand. Ich muss anhalten.

Foto von rumgurken.jetzt

Anhalten auf Sand geht gut. Aber ich zweifle, dass ich hier wieder anfahren kann. Wir steigen aus und schauen uns die Pisten an. Geradeaus haben wir keine Chance. Das bestätigen uns auch die herbeigeeilten Marokkaner. Rechts geht eine Piste ab, die besser aussieht. Es überholen uns noch ein paar spanische Geländewagen und bieten ihre Hilfe an.

Wir lehnen dankend ab. Fahren wir doch mit gelben und grünen Engeln durch die Gegend. Ich muss zurück, damit ich die Einfahrt zur Piste rechts erwische. Keine Chance. Trotz Sperre und viel Schwung. Ich stecke fest. Mal wieder.

Foto von rumgurken.jetzt

Also ziehen mich Robby und Stefan ein Stück zurück. Dann wird umgehängt. Und der grüne Rundhauber von Benedikt und Anette zieht mich vorwärts in die andere Piste rein. Da finde ich gerade wieder Halt, bevor ich ihn in der Kurve wieder verliere. Lenken im Sand ohne Allrad funktioniert einfach nicht.

Foto von rumgurken.jetzt

Der Bremer steht wieder auf festem Untergrund. Meine drei Tonnen sind für die Rundhauber überhaupt kein Problem. Und die Piste sowieso nicht. Und schick sind sie ja auch noch. Wenn ich dann groß bin… 

Die gelben Engel ziehen jetzt auch noch den Vario wieder aus dem Sand. Und auch er braucht noch Hilfe um die Sandkurve von den grünen Engeln. Schon praktisch, wenn man gleich mit zwei Abschleppern durch die Wüste fährt. 

Die Piste ist ein paar hundert Meter ganz gut. Wir haben sicherheitshalber die Fahrkonstellation umgestellt. Rundhauber, Vario, Rundhauber, Bremer. Da kommt die nächste Sandpassage. Der Vario kämpft sich mit aller letzter Kraft drüber. Unglaublich. Kolumbus streikt schon beim Anblick des Sandhügels. 

Hinter dem Sandhügel wollen wir unser Nachtlager aufbauen. Da steht ein Camp. Die Betreiber ganz nett. Und der erste Marokkaner den ich kennenlerne, der besser Englisch als Französisch spricht. Wir bestellen ein Abendessen.

Ich muss aber immer noch über den Hügel. Also werde ich wieder bei den gelben Engeln angehängt und gleich bis zu einem sicheren Stellplatz geschleppt. Wenn das mit der Sandpiste so weitergeht, müssen wir gar nicht mehr abhängen. Teilweise fühlt sich das an wie in einem Schlitten. 

Die ganze Fahrerei und die Aufregung mit Jackson hat mich echt kaputt gemacht. Ich lege mich etwas hin. Kann aber natürlich nicht schlafen. Die ganze Sache mit Jackson hat mich mehr mitgenommen, als ich gerne zugebe. 

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie dankbar ich bin so tolle Menschen um mich rum zu haben. Hier eine tröstende Umarmung, da leckere warme Küchlein und dort Hilfe beim Versuch einen Trichter zu basteln.

Am späten Nachmittag fährt dann noch ein Laster vor. Georg!! Ich freue mich sehr. Kurz vor Abfahrt im Herbst hätte er sich erbarmt und mit mir zusammen den Rost gemacht. Aber die Zeit reichte nicht. Er schaut sich Kolumbus an und ist zufrieden. Nach den Bildern der Reparatur war er ganz froh, sich dieses Projekt nicht angetan zu haben. 

Der Trichter wird gar nicht so schlecht. Aber Jackson dreht beim Versuch ihn anzuziehen schon wieder komplett durch. Und als Farah dann noch an seinem Schwanz vorbeigeht, wird auch sie angegriffen. Ich gehe dazwischen.

Ich bin schockiert. Was ist mit meinem Hund los?! Natürlich weiß ich, dass Hunde anders reagieren können unter Schmerzen. Trotzdem tut es mir mega weh, Jackson so zusehen. Hoffentlich verheilt diese Wunde gut und er ist bald wieder der Alte. Ich gebe ihm weiterhin Schmerzmittel. 

Nach Rücksprache mit einer Fachperson legen wir Jackson morgen lahm. Robby hat starke Beruhigungsmittel für Hunde dabei. Dann können wir die Wunde in Ruhe ausscheren, eventuell kleben und einpacken. So geht das einfach nicht und bedeutet für alle nur Stress. 

Auf das Abendessen verzichte ich dann. Jackson mitzunehmen geht nicht, da ihn die Marokkaner gar nicht mögen. Und umgekehrt auch nicht. Und unbeaufsichtigt alleine lassen, steht auch nicht zur Diskussion.