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Donnerstag, 10. Januar

Heute beginnt die Wüstentour. Ich bin aufgeregt. Aber voller Vorfreude. Was ein Abenteuer! Es soll von Mhamid nach Foum Zguid gehen. 140 km Piste!! Und gemäß dem bekannten Offroad-Führer der Pistenkuh die Schwierigkeitsstufe 3 von 5. Für Allradfahrzeuge. Aber dieses Detail blenden wir jetzt großzügig aus.

Um 10 Uhr geht es los. Und ich komme entgegen meiner Erwartung fast problemlos durch den weichen Sand weg von unserem Stellplatz. Was dieser wenige Luftdruck doch aus macht. Ich habe ja so gar keine Erfahrung. Und Kolumbus wohl auch nicht. Zum Glück haben wir erfahrene Begleitung. Oder eher einen Rettungstrupp.

Erg Chegaga. Die größte Sandwüste in Marokko. Auf der letztjährigen Tour durch Marokko, haben wir die ausgelassen. Bei dem alten Allrad-Bus war die Vorderachse kaputt und in dem Zustand haben wir uns die Tour nicht zugetraut.

Und ja. Ich war schon beim Erg Chebbi und in der riesigen Wüsten von Mauretanien. Erzbahnstrecke. 400 Kilometer durch Sand. Und trotzdem habe ich keine Ahnung. Da ist ein kleines aber wichtiges Detail. Ich war nur Beifahrerin. Ein bisschen stolz bin ich jetzt schon, dass ich mit meinem eigenen Bus wieder in Marokko bin und mich jetzt auf diese Tour einlasse. Jetzt erst recht! Wie es ausgeht, wird sich dann zeigen.

Alles startet problemlos und macht mega Spaß. Ich nehme mir die Tipps von Stefan zu Herzen. Die Automatik im zweiten Gang blockieren, damit ich genug Drehmoment habe. Und immer mit Gasreserve durch den weichen Sand. Diese Reserve hat mich ein paar Mal vor dem Eingraben gerettet. Und auf keinen Fall im Sand stehen bleiben.

Andre und Tanja fahren mit dem Vario vor. Der hat ja auch nur Heckantrieb, aber Andre deutlich mehr Erfahrung als ich. So kann ich mich an seiner Fahrweise und seinen Spuren etwas orientieren. Zudem ist es ohne Beifahrer verdammt schwer auf die Piste zu schauen und auch noch zu navigieren. Stefan und Robby machen das Schlusslicht oder wie ich in Schweizerdeutsch sagen würde „de Bäsewage“. 

Auf einem längeren Stück mit weichem Sand passiert es dann. Andre fährt weit vor mir und gräbt sich ein. Ich bin aber auch schon in der Sandpassage und muss anhalten. Keine Chance mehr auf ein zurück. Ich stecke fest. Die gelben Engel hinter mir sind aber schon zur Stelle.

Ich werde angehängt und ein Stück zurück auf festen Boden gezogen. Das geht viel schneller als langes Buddeln. Ein persönlicher Abschleppdienst. Sehr praktisch. Ich umfahre das Sandfeld auf der rechten Seite.

Andre lehnt das Angebot auf Bergung ab. Schließlich will er seine Sandbleche mal ausprobieren. Ein Marokkaner ist auch gleich zur Stelle und hilft ihm. Noch bevor ich bei ihm ankomme, steht er wieder auf festem Boden. Gut gemacht!

Wir sind nun schon etwas über zwei Stunden unterwegs. Und halten bereits Ausschau nach einem schönen Übernachtungsplatz. Da drüben vielleicht. Aber hinter der Düne kommt eines der vielen Wüstencamps zum Vorschein. Da ist oft Trubel und laute Trommeln am Abend. Auf Dauer irgendwie nervig, also fahren wir noch ein Stück weiter.

Ein paar Kilometer weiter finden wir ein ideales Plätzchen. Dieses Mal bei schönen kleinen Sanddünen. Stefan findet Kolumbus stinkt zu sehr nach Benzin. Und schaut sich das kurz an. Nicht nur Abschleppdienst, sondern auch noch Wüsten-Mechaniker. Ich habe mich wohl schon an den Geruch gewöhnt… Irgendwo ist wohl was undicht. Aber solange es noch nicht tropft.

Da ist aber noch ein neues Problem. In Zagora habe ich vollgetankt. Nach Mhamid waren es gute 80 Kilometer und dann noch die ganze bisherige Pisten- und Sandaction. Und meine Tankanzeige zeigt einen vollen Tank an. Hmm. Das kann nicht sein. 

Es hängt wohl der Tankgeber. Und dafür muss der komplette Tank ausgebaut werden. Keine besonders gute Idee in der Wüste. Die nächste Tankstelle kommt sowieso erst in Foum Zguid. Bis dahin wird es schon reichen und einen 10 Liter Kanister habe ich für Notfälle auch noch dabei. 

Ich widme mich wichtigeren Aufgaben. Oder auch nicht! Aber ich habe euch noch gar nicht erzählt, dass ich in Zagora doch noch Bommels für die Scheibe gefunden habe. Eigentlich wollte ich ja so dunkelblaue mit gold. Die will ich auch immer noch. Als Back-Up. Falls mir diese klimpernden Steinchen irgendwann doch noch auf die Nerven gehen sollten. Aber die sind so kitschig, dass sie schon wieder cool sind. Ich musste sie kaufen. 

Während ich die Bommels montiere hat auch Farah nach einer Beschäftigung gesucht. Und ist bei meinen Flip-Flops fündig geworden. Das finde ich gar nicht lustig. Aber zu spät. Sie hat auch schon bei meinen Sandalen die Schnur durchgebissen und ich habe noch keinen Ersatz. Und jetzt sind die Flip-Flops zerstört. Nicht schlimm. Das sind so ganz billige Schuhe, die ich vorwiegend zum Duschen nutze. Nur nachdem die Sandalen auch noch nicht repariert sind, habe ich jetzt keine offenen Schuhe mehr.

In der Wüste sind weder Turnschuhe noch Wanderschuhe wirklich brauchbar. Und damit das Sortiment von meiner Schuhsammlung bereits ausgeschöpft. Eine Shopping-Tour wäre wohl mal wieder nötig. Die Schuhe ziehen aber jetzt erstmal um. An einen Farah sicheren Platz. Also ganz oben im Bus. Und die Flip-Flops werden provisorisch geflickt. Panzer-Tape. Man (bzw. Frau) muss sich zu helfen wissen. 

Auch heute gibt es wieder Wüsten-TV. Wenn auch aufgrund fehlendem Holz eher nur eine Kurzfolge. Trotzdem ein schönes Ritual mit anderen Reisenden Geschichten auszutauschen.