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7. Januar 2018

Heute soll die Reise endlich weitergehen. Ich kann es kaum erwarten. Aber erst zurück zur Routine. Mit den zwei Marokkanern ans Oued. Die ersten Sonnenstrahlen geniessen. Mit Sonne kriegt man mich immer glücklich. Zum letzten Mal an der Baustelle und den Arbeitern vorbei. Ich verabschiede mich von ihnen.

Auf dem Rückweg kommt mir ein junger Marokkaner entgegen. Er spricht mich an. Sein Französisch nicht ganz so gut, aber wir verstehen uns. Er hat einen kleinen Hund. Was für einen Hund? So wie Farah? Ich zeige mit dem Finger auf sie. Nein, kleiner! Oh schön! Ein Hund ist toll. Er will das ich seinen Hund trainiere. 

Mein verdutztes Gesicht verwirrt ihn sichtlich. Dabei habe ich nur überlegt, ob das eine neue Anmache ist oder ob er das wirklich will. Keine Ahnung. Er wirkt aber sehr sympathisch. Ich erkläre ihm, dass ich das gerne machen würde. Aber leider fahre ich heute bereits. Dann lasse ich ihn noch seine Telefonnummer in mein Handy eingeben, falls ich nochmal nach Zagora kommen sollte. 

Zurück auf dem Camping. So ein schöner Bus!! Ich erkenne mein Zuhause kaum wieder und freue mich tierisch auf die Etappe heute. Trotzdem bin ich traurig mich von Zagora und all den lieben Bewohnern zu verabschieden. Bevor es zusammen mit Markus losgeht, muss ich aber noch einiges erledigen.

Erst eine heisse Dusche. Ja, die wird mich auch fehlen. Und dann den Wassertank auffüllen. Es soll schliesslich für ein paar Tage in die Wüste gehen. Ich verabschiede mich von Ron und Theres, vielleicht sieht man sich ja nochmal!

Mustafa und ich brauchen eine Weile bis wir die Rechnung zusammenkriegen. Erst mit dem Bus hier, dann nur Zelt und dann wieder mit dem Bus. Zusätzlich Waschmaschine, Pizza, Strom. Chaos! Ganze 18 Nächte war ich hier in Zagora. Und damit wohl Rekordlänge. Und davon ganze 12 Nächte im Zelt. Das ist auch Rekord!

Also ab in die Stadt. Heute sollte der Tierarzt wieder arbeiten. Ich brauche noch den Stempel auf dem Foto von Farah. Ich parke vor dem Gebäude. Markus fährt bereits weiter, um noch Geld zu wechseln. Die Türe ist abgeschlossen. Keiner da. Ich habe ja die Telefonnummer von Hamid. Er geht nicht ran. Na toll!

Weiter zum Agrikultur-Ministerium, wo ich Hamid ja zum ersten Mal angetroffen habe. Natürlich wieder niemand am Empfang und auch der Sicherheitsmann vom letzten Mal ist nicht da. Also wieder fröhlich die Bürotüren abgeklappert. Hier ist eine offen. Ich erkläre ihm die Situation.

Hamid ist nicht da. Er ruft ihn an. Das habe ich schon versucht… Entweder er glaubt mir nicht oder will es auch nochmals versuchen. Es klingelt nur. Ich brauche diesen Stempel unbedingt heute, da ich weiterfahre. Ob er mir nicht einen Stempel machen kann? Ups… Fettnäpfchen!

Was ich denn denke? Es gibt auch ein Gesetz in Marokko. Der Mann ist aufgebracht. Das wollte ich nicht. Aber es geht doch nur um einen Stempel auf einem Hundefoto… Ich rede mich raus. Entschuldigung. Natürlich gibt es hier ein Gesetz. Aber ich kenne mich nicht aus. Und vielleicht ist er ja auch ein berechtigter Tierarzt. Es hilft. Der Mann wieder super freundlich. Ich soll es später nochmals versuchen. Na toll!

Also erstmal weiter in die Stadt. Auf dem Weg zur Markthalle fülle ich noch den Benzin-Tank. Der Tankwart will schon meckern, wieso ich nicht an der Diesel-Säule stehe… Es ist ein Benziner. In der Schweiz fahren viele Autos mit Benzin. Diesel ist bei uns teurer als Benzin. Blablabla… Das Gespräch kann ich schon. 

Zum letzten Mal in die Markthalle. Da treffe ich auch Markus wieder. Wir kaufen gross ein. Ganz viel Gemüse, Früchte, Merges (marokkanische Würstchen), Hühnchen, Spülmittel und sogar Erdbeeren und Avocados kommen mit. Und Olivenöl für Robby und Stefan. An der Patisserie komme ich natürlich auch nicht vorbei. Der ganze Einkauf kostet 230 MAD ( =23 CHF). In Kombination mit Reis und Nudeln, die ich noch habe, komme ich damit locker eine Woche wieder hin.

Mein Telefon klingelt. Es ist Hamid, der Tierarzt. Er ist auf dem Souk (= Markt) im Nachbarsdorf und kontrolliert da das Fleisch. In ungefähr einer halben Stunde ist er wieder im Büro. Perfekt. Ich komme dann.

Weiter zu der Werkstatt. Da will ich die Fensterabdeckungen loswerden. Ich habe den Platz schlicht nicht, um sie mitzunehmen. Einfach zu sperrig. Und hier werden sie die Dinger ganz bestimmt auf die ein oder andere Art wiederverwerten. Zudem kann ich so Mohammed noch ein ordentliches Trinkgeld zu stecken. Er freut sich. Und ich verabschiede mich von der ganzen Crew. Irgendwie habe ich sie gern bekommen.

Also nochmals zum Tierarzt. Hamid ist jetzt da. Und er freut sich sehr mich zu sehen. Süss! Vor der Türe warten zwei Jugendliche mit Hunden an der Leine. Sie kommen zur Impfung. Sehr vorbildlich. Ich lobe natürlich gleich die schönen Hunde. Ich muss kurz warten.

Dann kommt Hamid. So schön, dass ich wiedergekommen bin. Er hat mit einer Freundin von ihm geredet, die in der Schweiz wohnt. Ich soll unbedingt mit ihr Kontakt aufnehmen. Meine Telefonnummer hat er natürlich schon weitergegeben. Und ich muss jetzt unbedingt auch ihre einspeichern. Und auch auf Facebook eine Freundschaftsanfrage rausschicken. Dann ist er zufrieden. Diese Offen- und Kontaktfreudigkeit liebe ich so an den Marokkanern.

Jetzt kann er auch den Stempel auf das Foto von Farah machen. Gleich zwei – ist wohl besser. Ich habe zwei Fotos mitgebracht, damit er auswählen kann. Er möchte das zweite Foto als Erinnerung behalten. Diese Freude lasse ich ihm natürlich. Ich bedanke mich nochmals herzlich und verabschiede mich von ihm.

Die Besorgungstour damit zu Ende und es ist bereits nach Mittag. Tschüss Zagora! Du wirst mir schon etwas fehlen. Gleichzeitig freue ich mich aber auf ein paar Tage Ruhe und Natur. Zusammen mit Markus will ich in die Wüste fahren. Da stehen auch Andre, Tanja, Robby und Stefan. 

Sie haben mir einen Track für das Navi geschickt. Das hat auch super funktioniert. Aber das blöde Tablet (das ich erst in Marrakesch neu gekauft habe!!) hat irgendein Problem und zeigt meine Position nicht an. Blöd!

Und bei meinem Spiegel stimmt irgendwas auch nicht. Der verstellt sich andauernd von selbst. Panzertape löst das Problem jetzt erstmal. Und ich sehe endlich wieder etwas. 

Wir navigieren also irgendwie mit dem Handy und Google Maps. Das wird schon gehen. Zwei Mal müssen wir umdrehen, weil unsere Piste aufhört oder mit meinem Bus nicht zu fahren ist. Als die gute Piste dann wieder zu Ende ist, stehen wir vor einer Entscheidung. Da sind ein paar kleine Dünen. Also entweder irgendwo drüber oder alles zurück und Aussen rum. Ich entscheide für quer durch. Hecksperre, viel Gas und das wird schon gehen. 

Das dachte ich zumindest. Markus fährt mit seinem Synro vor und dann will ich nach. Kaum im Sand und schon stecke ich. Keine Chance. Ich habe sofort gestoppt und stecke doch bis zur Vorderachse im Sand. Wohl nicht das optimale Terrain für einen Bus ohne Allrad. 

Schaufel raus und ausgraben. Markus fährt in der Zeit auf der anderen Seite wieder hoch. Wir wollen den Bus hinten wieder rausziehen. Gegen vorne haben wir wohl keine Chance. Also doch den Weg zurück und Aussen rum. 

Von Tanja kommt eine Nachricht. Ob ich schon unterwegs bin? Ich antworte mit einem Foto vom eingegrabenen Bus… und lege das Handy dann wieder weg. Der Syncro hat zu wenig Leistung um mich rauszuziehen. Also weiter buddeln. Längeres Seil. Sandbleche. Und nochmals ziehen. Nach einer guten Stunde stehe ich wieder auf festem Boden.

Die Freude ist gross. Wir wollen weiter. Ich steige hinten in den Bus und schlage die Schiebetüre zu (die braucht etwas Gewalt). 

Jaaaul!! Jackson heult auf. Scheisse! Sein Schwanz war wohl noch in der Türe. Erst vermute ich nichts Schlimmes. Aber dann sehe ich das es blutet. Scheisse! Scheisse! Scheisse!! Ich würde mich als sehr gelassen beschreiben und bin nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Ausser es geht um meine Hunde. Dann kriege ich die Krise. Es hilft aber nichts. 

Ich versuche ruhig zu bleiben. Und will mir die Wunde ansehen. Jackson lässt sich nur leider gar nix gefallen, wenn er Schmerzen hat. Der Schwanz ist geknickt. Gebrochen? Dann legt er sich neben mich in den Sand. Sehr beunruhigendes Verhalten von ihm. 

Der nächste Tierarzt ist Hamid in Zagora. Auf schwere Verletzungen ist der aber überhaupt nicht ausgelegt. Der kann maximal einen Hund impfen. Und Fleisch kontrollieren. Und der nächste gut ausgestattete Tierarzt ist in Marrakesch. Das sind gute 12 Stunden Fahrt! Meine Nerven liegen blank. 

Verzweiflung. Mir kommen die Tränen. Blöde Schiebetüre und ich habe nicht aufgepasst. So eine Scheisse!! Stark bleiben. Ich will zurück nach Zagora fahren, dann könnte ich im Notfall morgen nach Marrakesch brettern. Jackson gebe ich erstmal zwei Schmerztabletten.

Was ist denn für Uhrzeit? Ich schaue auf mein Handy. Anruf und Nachrichten von Andre. Ich soll sofort zurückrufen. Das mache ich. Sie sind schon unterwegs. Hää?? Ich habe gar keinen Standort geschickt. Aber sie haben mich gesehen. Zum Glück habe ich den Bus nicht beige lackieren lassen.

Jetzt sehe ich auch in weiter Entfernung den Rundhauber von Robby und Stefan kommen. Ich erkläre am Telefon, was los ist mit Jackson. Sie wollen erstmal herkommen. Sie halten auf der anderen Seite von den Dünen.

Andre, Robby und Stefan haben zum Glück einen etwas klareren Kopf als ich. Sie schauen sich die Wunde von Jackson an. Dieser hat sich wohl vom Schock erholt und begrüsst die Besucher freundlich. Rennt über die Sanddünen und bewegt auch den Schwanz wieder normal.

Na, zum Glück! Es ist wohl nur eine etwas 5cm grosse Fleischwunde. Also doch in der Wüste bleiben und die Wunde selbst versorgen. Ich bin immer noch aufgewühlt. Wir machen eine Lagebesprechung bezüglich des Weges. Wenn wir durch diese Dünen durch sind, ist der Weg nacher einfach. Und der Rundhauber würde mich mit Leichtigkeit wieder rausziehen, wenn ich wieder stecke.

Erstmal ordentlich Luft raus aus meinen Reifen. Andre bietet mir an mit Kolumbus zu fahren. Ich lehne ab und will selbst fahren. Würde mich aber über einen erfahrenen Beifahrer freuen. Also lade ich alle Hunde wieder ein. Und dann will ich den Bus starten. Aber wo ist denn bitte der Schlüssel?

Ich suche alle bekannten Orte ab. Schloss, Hosentasche und Küche. Er ist nicht da. Ich erweitere die Suche auf den Boden im Bus. Dann den Sand. Die anderen helfen. Meine Nerven! Ich suche schon den Ersatzschlüssel hervor. Es wird dunkel und uns läuft die Zeit davon. 

Bis Robby mich auf den Sitz hinweist. Natürlich. Ich habe ihn dahin gelegt und beim Hunde einladen ist dieser wohl nach hinten gerutscht. Vielleicht mache ich heute doch besser nichts mehr. Ich nehme also das Angebot von Andre doch noch an.

Er fährt den Bremer an einer anderen Stelle mit viel Schwung fast komplett durch den Sand. Dann steht er aber wieder im weichen Sand. Also ausbuddeln, Sandbleche drunter und der Syncro zieht an. Jetzt klappt es. 

Die ganze Karawane fährt jetzt zum Übernachtungsplatz. Die Sonne steht schon so tief, dass man kaum noch etwas sieht. Angekommen. Jackson fällt über Ziva und Max her, wie wenn nichts gewesen wäre. Ich bin erleichtert.

Heute ist es zu dunkel und die Aufregung zu gross. Wir wollen die Wunde morgen früh in Ruhe verarzten. Wir machen ein Lagerfeuer und Robby hat leckeren Schlangenbrot-Teig gemacht. Zusammen mit den Merges-Würstchen und Knoblauch-Sauce ein feines Abendessen. Und der Sternenhimmel entschädigt für die Strecke. Was ein Tag! Und was ein Abenteuer!