Welches Fahrzeug eignet sich für eine Weltreise? Mit dieser Frage haben wir uns intensiv auseinander gesetzt, viele Varianten diskutiert und unzählige Reisefahrzeuge besichtigt. In diesem Beitrag möchten wir darauf eingehen, wieso wir uns für einen Mercedes T1 entschieden haben.

Es gibt kein perfektes Fahrzeug für eine Weltreise. Jeder muss seine Bedürfnisse eruieren, Prioritäten setzen und für sich selbst eine Entscheidung treffen. Diese können wir dir nicht abnehmen. Für uns ist es Fredy – ein Mercedes 310D 4×4.

Geschichte

Unser Fredy und seine Kollegen wurden in den Mercedes-Benz Werkstätten von 1977 bis 1995 gebaut. Sie werden aufgrund ihrer Geburtsstätte gerne auch „Bremer“ genannt. Es handelt sich um einen Kleintransporter, der bis zu einem Gesamtgewicht von 4,5t hergestellt wurde.

Die Fahrzeuge wurden sehr häufig als Arbeitstiere eingesetzt und leiste(te)n ihren Dienst bei der Feuerwehr, staatlichen Betrieben oder in Handwerksbetrieben. Auch als Wohnmobil-Basis wurden sie gerne verwendet, besonders bekannt ist der Ausbau von Westfalia mit dem Modell James Cook.

 

Modelle und Varianten vom Mercedes T1 4×4

Der Bremer wurde in drei Baureihen unterteilt:

  • 200er Reihe (207D, 208, 208D, 209D, 210, 210D) bis 2,8t Gesamtgewicht
  • 300er Reihe (307D, 308, 308D, 309D, 310, 310D) bis 3,5t Gesamtgewicht
  • 400er Reihe (407D, 408D, 409D, 410, 410D) bis 4,6t Gesamtgewicht

Die Fahrzeuge wurden als Kastenwagen, Kipper, Kleinbus und als Pritschenwagen ausgeliefert. Alle Fahrzeuge hatten einen Hinterradantrieb und die 400er Reihe ist hinten zwillingsbereift. Es gab drei verschiedene Radstände (3,05m / 3,35m / 3,7m).

Es wurden diverse Benzin- und Dieselmotoren verbaut. Dies sowohl mit Automatik- als auch mit Schaltgetrieben. Besonders empfehlenswert sind die beiden Dieselmotoren OM 601 (verbaut bei 208D, 308D, 408D mit 79-82 PS) und OM 602 (verbaut bei 210D, 310D, 410D mit 95-98 PS). Sie gelten als sehr robuste und langlebige Vier- bzw. Fünfzylindermotoren mit einer einfachen Technik. Laufleistungen von 500’000 Kilometer sind bei guter Wartung auf jeden Fall drin.

Die Mercedes-Benz T1 waren ab Werk nicht mit 4×4 Antrieb verfügbar. Der Allradantrieb wurde bei externen Firmen nachgerüstet. Die beiden bekanntesten sind Iglhaut in Deutschland und Larag in der Schweiz. Die Feuerwehr und andere staatsnahe Betriebe in der Schweiz kauften vor allem Benziner und rüsteten diese bei Larag um. Deutsche Betriebe kauften eher Dieselautos und liessen den Allradumbau von Iglhaut durchführen. Diese Tatsache führt dazu, dass die meisten Mercedes T1 mit Benzinmotor einen Allradumbau von Larag verbaut haben und die Dieselfahrzeuge eher einen von Iglhaut.

Unser Fredy wurde von Iglhaut umgebaut und dabei wurden sehr viele Bauteile vom Mercedes G verwendet. Es lohnt sich die Reparaturanleitung oder das -buch vom Mercedes G bei Problemen beizuziehen. Der Allrad ist manuell zu schaltbar (auch während der Fahrt!), das verbaute Untersetzungsgetriebe und auch die Differenzialsperren (längs und quer) können ebenfalls manuell zugeschaltet werden. Den Umbau von Larag kennen wir nicht genauer.

 

Platzverhältnisse und Gewicht

Das Platzverhältnis und Gewicht hängt natürlich sehr vom Modell und Ausbau ab. Die T1 sind sehr kompakt gebaut und haben eine kurze Schnauze (im Vergleich zum Beispiel Mercedes Sprinter). Dies schmälert die Gesamtlänge und wirkt sich positiv auf Fähr- und Verschiffungspreise aus. Die Kastenwagen mit Hochdach bieten im Innern Stehhöhe (bis ca. 1,80m) und viel Stauraum.

Bezüglich des Gewichts empfehlen wir dir unbedingt die 300er oder 400er Reihe und auch dort musst du je nach Ausbau aufpassen. Bitte beachte, dass du mit dem normalen Führerausweis in der Schweiz nur Fahrzeuge bis zu 3,5t fahren darfst. Eine Ablastung eines 400er T1 auf 3,5t ist grundsätzlich möglich, aber aufgrund der geringen Zuladung eher nicht zu empfehlen.

 

Ersatzteilversorgung

Die Ersatzteilversorgung von Mercedes-Benz ist sehr gut. Bis jetzt haben wir für unseren Fredy (Baujahr 1992) ohne Probleme alle Teile direkt bei Mercedes bekommen. Da beim Allradumbau die Teile vom Mercedes G verwendet wurden, bekommt man auch da noch hervorragend Ersatzteile.

In Nordafrika und Südamerika trifft man viele ältere Mercedes T1 an und soll auch an Ersatzteile kommen (noch keine eigenen Erfahrungen). Ansonsten können diese von Deutschland oder der Schweiz aus verschickt werden. Wir machen uns keine Sorgen!

 

Kosten und Markt

Für die Mercedes T1 gibt es nur den Gebrauchtmarkt. Fahrzeuge ohne 4×4 sind sehr einfach und zu guten Preisen erhältlich. Die Zustände unterscheiden sich allerdings stark. Man sollte sich bewusst sein, dass diese Fahrzeuge oft als Arbeitstiere eingesetzt wurden und entsprechende Gebrauchsspuren aufweisen. Es empfiehlt sich ein gutgewartetes Fahrzeug der Feuerwehr oder ein bereits früh als Wohnmobil ausgebautes Modell (James Cook).

Wir wollten aber ein Mercedes T1 mit 4×4 und am liebsten auch noch ein Dieselfahrzeug. Dann wird es schwierig! Der Markt für Mercedes T1 mit Allradantrieb ist sehr klein und die Preisvorstellungen teilweise absurd hoch. Für diese Suche brauchst du definitiv Zeit und Geduld. In einem unserer letzten Artikel haben wir 8 Tipps für die Suche nach deinem Reisefahrzeug zusammengestellt – eventuell hilft es. Zudem lohnt es sich allenfalls bei verschiedenen Feuerwehren nachzufragen, da dort am ehesten guterhaltene Transporter mit Allrad zu kriegen sind. Wir suchten fast zwei Jahre, bis wir unseren Fredy fanden.

 

Reisende mit diesem Fahrzeug

Die folgenden Reisenden sind (oder waren) mit einem Mercedes T1 unterwegs:

 

Alternativen

Als Alternativen kommt sicherlich der VW LT in Frage oder auch der Nachfolger vom Mercedes T1 der Sprinter wäre eine Option. Ein Iveco Daily oder wenn es etwas grösser und schwerer sein darf ein Mercedes Vario sind ebenfalls prüfenswerte Varianten.

 

Unser Fazit

Wieso kann man den Mercedes T1 als ideales Reisefahrzeug bezeichnen? Wir haben hier einige Vor- und Nachteile aufgelistet und für uns überwogen die Vorteile ganz klar.

Vorteile:

  • Stehhöhe im Kastenwagen (bei Hochdach)
  • robuster und einfacher Motor (OM 601 und OM 602)
  • sehr wenig Elektronik
  • Allradantrieb manuell zu schaltbar (bei 4×4)
  • super Ersatzteilversorgung
  • tolles Platzverhältnis & Grösse
  • gute Bodenfreiheit (bei 4×4)
  • unauffällig gegen Aussen

Nachteile:

  • schwieriger Markt (4×4)
  • man sitzt auf dem Motor
  • wenig Motorleistung
  • begrenzter Platz
  • keine Klimaanlage

Deine Meinung zum Mercedes T1 interessiert uns sehr. Hast du etwas zu ergänzen oder fährst du selbst ein Mercedes T1? Schreibe es uns in die Kommentare!


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