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Dienstag, 8. Januar 2019

Heute bitte alles ausser Aufregung. Die Nacht war super. Es ist so schön wieder in meinen eigenen vier Wänden zu schlafen. Manchmal erschrecke ich selbst, wie wohl ich mich in meinem Auto fühle. Kommt das Bedürfnis nach einer Wohnung je zurück? Egal!

Am Morgen ist es jeweils ziemlich kalt. Es kommt nur langsam Bewegung in unser Wüstencamp. Jackson hat entspannt geschlafen, aber die Wunde müssen wir heute doch checken. Dazu muss ich etwas ausholen.

Ich bin ein absolutes Weichei, wenn es um meine Hunde geht. Ganz schlimm! Ich muss bei mir mindestens alle drei Monate Blut nehmen lassen und das ist kein Problem. Als dann Emy beim Tierarzt Mal Blut genommen werden musste, bin ich fast umgekippt. Soviel dazu. 

Das Angebot von Tanja sich der Wunde anzunehmen, nehme ich also mehr als dankend an. Für die ganze Prozedur braucht es sowieso drei Leute. Jackson ist nicht gerade ein harter Kerl und kann sich ganz schön aufführen. Mundschlinge. Ich nehme den Kopf. Andre den Rest vom Hund. Und Tanja verarztet die Wunde.

Es ist eine ca. 5cm offene Fleischwunde. Ziemlich hässlich. Und das wird lange dauern bis das zugewachsen ist. Die Wunde ist ganz schön dreckig. Der ganze Sand und die vielen Fliegen nicht förderlich. Also ausspülen und einbinden. Der arme Jackson hat zudem auch heute nochmals Schmerzmittel gekriegt. Nach ein paar Leckerlis verzeiht er uns auch die Quälerei. 

Die Sanddünen sind immer wieder faszinierend. Und für die Hunde ist es ein grosser Spielplatz. Es wird getobt, was das Zeug hält. Mir ist eher nach einem gemütlichen Tag. Etwas aufräumen, die Berichte der letzten Tage schreiben und die Sonne geniessen. Tagsüber sind es angenehme 25 Grad! 

Am Horizont erscheinen zwei Männer mit ihren Kamelen. Wir scherzen so, ob sie uns jetzt einen Ritt verkaufen wollen. Im Schlepptau haben sie aber auch noch zwei Touristinnen. Sie kommen direkt auf uns zu. Erst als sie bei unseren Bussen stehen, wird mir klar wieso.

Abdellah!! Er hat meinen Bus erkannt und ist deshalb hergekommen. Ich habe Abdellah in Zagora kennengelernt. An Weihnachten hatte er Holz gebracht und danach habe ich ihn mehrfach in der Werkstatt oder der Stadt angetroffen. Er hat in Deutschland studiert und spricht fliessend Deutsch. Jetzt bietet er Touren (Kamel & 4×4) in die Wüste an. 

Wir wechseln ein paar Worte. Die zwei Touristinnen seiner aktuellen Tour kommen aus Deutschland. Ich werde als eine Freundin von ihm vorgestellt. Das freut mich. Schöner Besuch! Und sie ziehen weiter…

Die Sonne und das Faulenzen tuen so gut. Hier in der Einsamkeit kann ich auch endlich mal wieder meine Shorts auspacken. Wenn ich an die Schnee-Bilder von Freunden denken… Hmm. So lässt sich der Winter also schon aushalten.

Noch mehr Besuch. Ein junger Marokkaner kommt über die Dünen gestampft. Die Anderen sind in ihren Campern bei der Arbeit. Also kommt er natürlich zu mir. Ob ich Wasser habe? Ja, natürlich. Aktuell habe ich keine kleine Flasche, aber ich offeriere ihm ein Glas. Dies nimmt er dankend an. Er sucht irgendein Camp. Da bin ich leider keine Hilfe. Wenig später geht er über eine andere Düne wieder fort.

So vergeht der Tag. Und am frühen Abend stellt sich irgendwann der Hunger ein. Ich koche für Markus und mich Curry. Das geht immer. Und mit Hühnchen und frischem Gemüse einfach lecker. Abendessen in den Dünen.

Anschliessend sitzen wir alle gemeinsam am Feuer. In der Wüste unter grandiosem Sternenhimmel gibt es einfach nichts Besseres! Und diese Stille! Nacheinander verabschiedet sich jemand ins Bett. Markus und ich bleiben übrig.

Gesprächsthema? Das harte Los von Alleinreisenden! Ok, so schlimm ist es nicht. Aber einen passende(n) Partner(in) mit der gleichen Leidenschaft zu finden ist gar nicht so einfach. Was wohl oft auch an unserem doch jungen Alter liegt. Markus ist gleich alt wie ich. Und da geht es halt oft einfach mehr um Oberflächlichkeit, Party und Prestige-Objekte. 

Natürlich ist ein(e) Partner(in) was Schönes. Aber einsam fühle ich mich im Moment gar nicht. Nach der letzten langen Beziehung geniesse ich mein Singleleben. Freiheit pur. Und ich habe mich verändert, seit ich alleine unterwegs bin. Selbständiger. Selbstbewusster. Und ich lerne viel schneller und mehr neue Leute kennen. Ich bin gespannt, ob und wie sich meine Einstellung zum Alleinreisen noch verändern wird.