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Montag, 14. Januar

Wie die Zeit vergeht! Heute vor einer Woche bin ich in die Wüste aufgebrochen. Unglaublich! Jackson geht es deutlich besser. Wir haben einen tollen Morgenspaziergang in den Sanddünen.

Farah hat sowieso ihren Spaß. Welpenschule im riesigen Sandkasten. Wer hat das schon?! Pünktlich um 10 Uhr setzt sich die Karawane in Bewegung. Wie? Der Vario und mein Kolumbus werden an je einen Kurzhauber angehängt und aus dem Sand gezogen. Auch eine Lösung.

Auf festem Untergrund angekommen, geht es dann auch für die Heckantriebler alleine weiter. Nach der Sandaktion müssen wir den gleichen Weg zurück. Und zwar bis zur Oase. Es zieht sich. Da wussten wir noch nicht, dass es noch schlimmer kommt. Viel schlimmer.

Zurück bei der Oase schlägt Georg seinen eigenen Weg ein. Er fährt nach Mhamid. Und wir fahren dieses Mal die rechte Piste. Hier soll es weniger Sand geben und dafür Steine. Viele Steine. Viele grosse Steine. Viele miese böse große Sch****-Steine. 

Foto von rumgurken.jetzt

So viel Bodenfreiheit habe ich nicht. Ich muss um jeden größeren Stein zirkeln. Und generell ist die ganze Piste voller Steine. Es schüttelt mich und den kompletten Bus durch. Nur die Hunde lassen sich davon nicht stören. Schlaf ist wichtig. 

Eigentlich ja schön, dass sie so entspannt Bus fahren. Sogar auf solchen miesen Pisten. Farah hat sich das von den zwei anderen Penntüten abgeguckt. In ein paar Wochen habe ich also einen richtigen Offroad-Hund abzugeben.

In Schrittgeschwindkeit kämpfen wir uns über die Steinpiste. Meter für Meter und Kilometer für Kilometer. Ich wünsche mir den Sand zurück… Andre und Tanja mit dem Vario halten an. Über Funk wird ein Problem angekündigt.

Ich halte hinter ihnen und hinter mir dann die beiden Kurzhauber. Die Strasse geht durch ein trockenes Oued. Aber da ist eine Steintreppe und viele weitere große Steine. Das ist zu heftig!! Hinter uns kommen zwei Geländewagen angebrettert.

Ein Schweizer und ein Franzose, beide mit Azalai-Kabinen. Wir räumen die Fahrbahn frei und ich stehe jetzt richtig schief in der Gegend rum. Ohje. Mit den Schweizern wechsle ich ein paar kurze Worte. Sie schauen meinen Bus an und fragen sicherheitshalber noch nach Allrad. Ich verneine. Damit das Gespräch zu Ende und ich wohl als verrückt abgestempelt. Verrückt? Vielleicht. Ein bisschen.

Wir stehen immer noch da. Und nach langer Beratschlagung entscheiden wir uns für den Rückweg. Die Stelle wäre mit viel Aufwand noch zu machen. Aber wir wissen nicht, was noch kommt. Und diese Steintreppe wieder hoch wäre wohl das Ende der Ölwanne.

In der Zeit hat sich Jackson wieder seinen Verband abgezogen. Ja, den mit Panzer-Tape umwickelten Verband. Dieser Hund treibt mich noch in den Wahnsinn. Bus wenden ist eh nicht meine Stärke und jetzt bin ich mit Jackson beschäftigt. Also übernimmt Andre das Wenden.

Auf der Piste bereiten wir die Decke und die Sachen vor um Jackson zu verarzten. Dieses Mal ist er natürlich nicht berieselt von irgendwelchen Drogen. Und die Piste der einzige Ort, wo es nicht so viele Steine und Sand hat. Maulkorb und zwei mutige Freiwillige. Tanja und Stefan erklären sich wieder bereit. 

Wir fixieren ihn. Zu unserer Überraschung ist das deutlich weniger dramatisch als die letzten Male. Er ergibt sich gleich seinem Schicksal und hält hin. Dummerweise kommen da vorne zwei Motorräder angerast. Mit einer Enduro hat man wohl viel Spaß auf dieser Piste.

Aber da liegt ja noch Jackson auf dem Weg. Benedikt und Andre halten die beiden Motorräder auf. Sie sollen doch bitte kurz warten bis der Hund fertig verarztet ist. Sie zeigen Verständnis und beginnen mit den Beiden zu quatschen.

Jackson ist wieder zusammengeflickt. Mal sehen wie lange der Verband dieses Mal hält… Und es gibt neue Infos. Die zwei Motorrad-Fahrer kommen von der Piste, die wir gerne fahren wollten. Sie machen uns Hoffnung. Das hier ist das schlimmste Stück.

Foto von rumgurken.jetzt

No Risk. No Fun. Wir entscheiden nochmals um. Es geht weiter. Die Steine werden aufgeschichtet und teilweise wird mit Sandblechen geholfen. Andre fährt mit dem Vario vor. Stefan und Benedikt laufen nebenher und räumen im Weg liegende Steine zur Seite.

In der Zwischenzeit ist noch ein marokkanischer Geländewagen gekommen. Er muss allerdings warten bis Andre durch das Oued durch ist und zur Seite kann. Und dann kommt auch noch ein Moped mit zwei Marokkanern. Irgendetwas ist kaputt.

Sie brauchen Werkzeug und ich leihe ihnen meinen Koffer. Viel mehr kriege ich von der Aktion nicht mit. Ich bin damit beschäftigt Jackson zu beobachten, dass er den Verband nicht wieder abnimmt. Auf der Einkaufsliste ganz weit oben steht eine Halskrause. Die Bastelei aus der Pet-Flasch hat leider nicht funktioniert. Jetzt ist er aber natürlich ganz brav. 

Andre ist durch. Der Geländewagen kann überholen. Das Moped fährt dank tatkräftiger Unterstützung von Stefan auch wieder. Für die beiden Kurzhauber sind die Steine kein Problem. Aber für mich wird es auch nochmals eine Challenge. Tanja fährt bei mir als Beifahrerin mit. 

Fotos von rumgurken.jetzt

Stefan und Benedikt gehen die Strecke ein weiteres Mal zu Fuß. Ich kriege genaue Anweisungen, wie und wo fahren. Bei jedem Geräusch zucke ich kurz zusammen. Das ist nichts für meine Nerven… 

Fotos von rumgurken.jetzt

Nach einer gefühlten Ewigkeit bin aber auch ich durch. Und Kolumbus ist noch heile. Viel höher kann ich ihn ja leider nicht mehr legen, sonst gibt es wohl Problem mit der MFK (=TÜV). Aber so ein Unterfahrschutz wäre ja schon ganz nett…

Zum Glück habe ich so erfahrene liebe Mitreisende dabei. Alleine hätte ich hier verloren. Und auch schon vorher im Sand. Und auch bei der Verarztung von Jackson. An dieser Stelle also ein wirklich fettes Dankeschön an Campofant, Amumot, Crosli und rumkurgen.jetzt. 

Wer eigentlich auf die gute Idee kam mit Kolumbus (ohne Allrad…) in die Wüste zu fahren? Naja. Die Hunde waren es nicht. Und so viele andere stehen nicht zur Auswahl. Nach dem Angebot von Andre, Tanja, Robby und Stefan mit ihnen mitzufahren, konnte ich nicht widerstehen. Letztes Jahr (wo das Fahrzeug gepasst hätte) sind wir nämlich nicht zum Erg Chegaga gefahren.

Und das hier wird als eines der geilsten Erlebnisse in Marokko in Erinnerung bleiben. Also sofern nicht doch noch irgendwas kaputtgehen sollte. Positives Denken und so. Ich lerne die Grenzen von Kolumbus kennen und wir wachsen als Bus-Mensch-Team zusammen. Und meine Wunschliste für die nächste Tour wird immer länger… 

Die Steinpiste ist leider noch nicht vorüber. Wir quälen uns weiter und suchen einen schönen Übernachtungsplatz. Eine Piste geht ab in Richtung der Sanddünen. Toll! Der Platz ist wirklich schön und wir stehen wieder direkt an den Dünen.

Auf der Karte wird uns dann die traurige Realität bewusst. Wir waren heute gute 6 Stunden unterwegs und haben ganze 25 Kilometer zurückgelegt. Alles nur um den großen Sandkasten zu umfahren. Wir sind auf der gleichen Höhe wie bereits gestern. 

Aber es gibt Internet. Zumindest ab und zu habe ich einen Strich Empfang. Bei allen anderen mit Router und Antenne sieht das deutlich besser aus. Noch etwas das auf die Einkaufsliste kommt…

Ich habe einen riesigen Hunger!! Kohlenhydrate! Also ganz schnell die restlichen Spaghetti in das kochende Wasser. Spaghetti mit Pesto haben wohl selten so gut geschmeckt! Und da mein Boiler wieder geht, lasse ich Wasser aufheizen.

Duschen ist in der Wüste natürlich reiner Luxus. Und ich habe auch nicht die größten Wasservorräte. Die letzte Dusche ist eine ganze Woche her. Keine Sorge es gibt natürlich Waschlappen. Aber meine Haare sind hinten unten schon am filzen… Nach dem heutigen Tag gönne ich mir das aber. Warme Dusche und Haare waschen. Natürlich Draußen. Geiles Gefühl in der Wüste! Umgeben von Nichts!

Am Abend versammeln wir uns wieder am Lagerfeuer. Immer wieder erstaunlich, dass wir genug Holz oder Brennbares finden. Heute brennt es sogar richtig gut! Jackson und Farah liegen kuschelnd neben mir am Feuer. Die zwei sind so süß zusammen!!

Heute bleibe ich aber nicht so lange. Ich lege mich ins Bett. Und mache einen Film an. Ich gebe zu, dass es der gleiche Film ist wie die zwei Abende vorher. Ich bin immer eingeschlafen… Und es liegt nicht am Film. Heute schaffe ich es aber auch noch das Ende zu sehen. Gute Nacht!